Racial Profiling? „Ach, business as usual“ sagt Heinz

Am Dienstag war ich mal wieder bei Racial Profiling dran, das heißt  Polizisten haben mich kontrolliert aus keinem anderen erkennbaren Grund als dem Farbton meiner Epidermis. Diese Erfahrung habe ich hier als Beitrag veröffentlicht. Der Beitrag war inzwischen Anlass für zahlreiche Diskussionen. Hier möchte ich gerne eine dieser Diskussionen mit Euch teilen. Natürlich habe ich die betroffene Person vorher um Erlaubnis gebeten, unsere Diskussion hier wiederzugeben.

Nennen wir die Person Heinz. Heinz kenne ich noch aus frühen, sehr frühen Studientagen. Wir hingen ab und zu in Diskos, in Studentenwohnheimen oder einfach auf dem Campus zusammen. Ich kann mich noch sehr gut an die schockierten Gesichter von Kommilitonen erinnern, als wir uns mal in der Nähe der Mensa unterhielten, während „Ghettolied“ von Massiv aus den Laptopboxen von Heinz dröhnten. Ich glaube, man würde heute sagen, wir waren die Azzlacks-Clique auf dem Uni-Campus. Ich war öfter zu Gast bei Heinz’ Familie. Die Heinz wohnen im nördlichen Bezirk einer mitteldeutschen Großstadt. Mehr Gastfreundlichkeit als bei den Heinz habe ich in Deutschland selten oder vielleicht sogar nie erlebt. Seine Mutter schien genau zu wissen, was ein Junge, den mehr als 5000 km von der eigenen Mutter trennten, brauchte. Als ich 2007 nach meinem Bachelorabschluss nach China zog, erhielt ich ein Geschenk von Heinz, das mich bis heute noch überall, wo ich hingehe, begleitet. Letztes Jahr haben wir Heinz‘ Hochzeit gefeiert. Ein wunderbares Ereignis. Akademiker-Azzlacks-Reunion, alle in perfekt sitzenden Anzügen. Okay, fast alle. Mensch, war das dufte! Ihr merkt bestimmt, dass ich Heinz sehr schätze. Aber genug Freundschaftsromantik.

Viel Spaß beim Lesen unseres skype-Chatlogs, Ihr Voyeure! Ich freue mich auf jeden Fall auf Eure Kommentare.

 

„yk: https://www.facebook.com/ykritiks/posts/10202312798276206

Heinz: (y)

yk: Nicht Daumen hoch, haha

Heinz: Warum das denn? :D Was denn sonst?

yk: So weit wie möglich verbreiten, damit so viele Menschen wie möglich wissen, wie man sich in einer solchen Situation verhalten kann.

Heinz: Ich möchte jetzt keine politische oder geopolitische Diskussion anfangen :) Verbreiten werde ich es aber nicht.

yk: Oha. Alles klar. Dann war Daumen hoch wohl nur « Show ». Sorry dann, für die Bitte. Das hängt damit zusammen, dass ich dachte, dass Du ein solches Vorgehen unterstützt.

yk: Muss man natürlich nicht. Ganz und gar nicht.

Heinz: Es sei denn, du fasst das Ganze in 140 Zeichen zusammen, dann lesen es vielleicht die Deppen :D Diejenigen, die sich die Zeit nehmen würden, das Ganze auch zu lesen, die kommen mit der Situation schon klar.

yk: Also, no Stress. The fight goes on.

yk: Wie Du unten in den Kommentaren lesen kannst, liegst Du leider ganz falsch mein Freund.

Heinz: Ich find geil von dir :) Daher mein Daumen hoch… Aber zu mir passt es leider nicht… Daher Daumen hoch, weil ich dich unterstütze.

yk: Aber wie gesagt, no Stress.

Heinz: Stress sowieso nicht… Aber ich habe auch gesehen, wer es kommentiert, und am meisten hat mir der Kommentar « business as usual » gefallen :D Alle anderen sind vielleicht nur « Show » :) meine Meinung, kann deiner Meinung nach falsch sein

Heinz: Glaub mir, ich fühle mich selber nicht wohl in Deutschland, daher sollten « wir » zusehen, dass wir unsere Länder auf Vordermann kriegen, damit wir uns den ganzen Mist hier nicht länger gefallen lassen müssen!

Heinz: was geht man?

yk: Ich dachte, Du wolltest keine Diskussion führen. Haha. Business as usual. Einige tun was, damit das „Business as usual“  eben würdiger wird. Denk Du ruhig weiter, dass alle die einen Blog-Beitrag, sich mit den Polizei-, Verwaltungs-, und Grundgesetzen auskennen. Ich bin mir da nicht ganz sicher. Aber egal, jedem seine Meinung. Business as usual eben. Dein Argument mit « unseren » Ländern ist leider ziemlich schwach. Ich lebe in Deutschland. Deutsche Gesetze haben für mich zu gelten, denn ich bin ein Mensch. #PUNKT

Heinz: #Punkt? :D Business as usual, würdig oder nicht, „as usual“ ist das Schlagwort meiner Meinung nach :) Aber wie gesagt meine Meinung :) Ich weiß, dass wir in Deutschland sind, und auch da stimme ich dir zu, dass nicht jeder seine Rechte in Deutschland kennt. Was ich nicht wusste, dass du in einem Land leben möchtest, das Kriege DIREKT mitfinanziert. Ich wusste nicht, dass du zu den Bürgern zählen willst, die in Deutschland Steuern zahlen (zu den gehöre ich leider auch -  noch hoffentlich), diese Gelder indirekt an Neonazis gezahlt werden, damit diese gezielt Türken (Sind Ausländer in Deutschland, und ja, Türken sind auch Menschen) UMBRINGEN :( D.h. Du willst Würde in einem Land, damit du in diesem Land mit Würde Steuern zahlen kannst, und dieses Land dann mit deiner in Würde gezahlten Steuern Menschen umbringt, für Öl, Erdgas, oder sonst was? Wenn ja, dann finde ich DAS schwach :/

Heinz: Und ja ich wollte keine Diskussion, aber du provozierst so gut.

yk: Ich provoziere nicht. Du merkst einfach selber, dass Du das Thema nicht so einfach wegwischen kannst. Du schreibst selbst, worum es geht. Ich tue alles, was ich kann, damit meine Steuergelder dafür aufgebraucht werden, eine gerechte Gesellschaft aufzubauen. Wenn es nicht anders geht, lege ich mich sogar mit der Polizei, d.h. mit Vaterstaat deshalb an. Von meinem ehrenamtlichen Engagement als Student im Jugendzentrum, über meine Forschung zu Wirtschaftseliten bis zu der Verbreitung dieses Blog-Beitrags, geht es nur darum: Gerechtigkeit. Indem Du „Business as usual“ sagst und nichts tust (in diesem konkreten Fall: nicht mehr Leute informieren möchtest, wie man seine Menschenwürde verteidigen kann), weil alles eben „business as usual“ ist, förderst Du genau den Status-Quo, und alles was Du selber beschrieben hast.  Das alles wird durch eine „Business as usual“-Einstellung gefördert. Traurig aber sehr wahr.

Heinz: Traurig aber wahr (Deine Meinung) :) Ich habe ja auch geschrieben leider – also das ich den Status-Quo mit unterstütze, solange ich in Deutschland lebe. Ich finde das ja gut, das Du was dagegen machst, deshalb Daumen hoch und nicht für Show, sondern ernst gemeint. Ich weiß, dass du ein engagierter bist, daher musst du nicht alles aufzählen um eventuell von meinen genannten  Beispielen abzulenken um dich zu rechtfertigen à la: was soll ich denn noch alles tun?  Frage: Bist du jetzt für Würde oder für Gerechtigkeit?

Heinz: Oder beides?

yk: Oha. Ich brauche nicht von deinen « Beispielen » abzulenken, denn anstatt zu sagen, „business as usual“, tue ich was damit es anders wird :) Ich bin für Gerechtigkeit, was logischerweise heißt, dass ich dafür bin, dass alle Menschen Recht auf Achtung ihrer Würde haben. Sorry falls das nicht klar war.

Heinz: Jetzt ist es klar :) Frage: Nur in NRW, DE, Europa, oder Weltfrieden (3. Wunsch einer Schönheitswettbewerberin)? Das „business as usual“ von deinem Kumpel (nicht von mir, kurze Erinnerung) hatte mir mehr gefallen, er hatte es wahrscheinlich aus dem Bauch heraus wirklich so gemeint.

yk: Wird ja immer besser ^^. Sind alle, die meine Beiträge kommentieren, meine Kumpels? Bestimmt sind die knapp 2000 Menschen, die geliket oder getwittert haben, auch alle meine Kumpels. Boah, habe ich aber viele Kumpels! Okay, wieder ernst:  Schön, dass Du unsere Diskussion auf Schönheitswettbewerbsniveau bringst. Ist zwar nicht so mein Ding, aber da ich Dich sehr schätze, gebe ich Dir sogar eine ehrliche und ernst gemeinte Antwort. Ich stehe für Gerechtigkeit wo auch immer Ungerechtigkeit besteht. Und noch wichtiger, ich tue, was dafür wo ich kann. Und das ist meistens, wo ich lebe.

Heinz: Viel Erfolg Bruder! Du weißt doch, mit social media bin ich noch ein wenig zurückgeblieben, ich denke immer das sind „wahre“ Freunde :D Ich wollte damit eigentlich NUR darauf hinweisen, dass es nicht meine Art ist zu sagen „business as usual“, was ich ja auch nicht gesagt habe, sondern mir der Beitrag gefallen hat (mit einem Hauch von Sarkasmus) :)

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